reflections

Lebenseinstellung

Vielleicht ist es eine Phase, vielleicht auch nicht aber ich habe eine andere Sichtweise vom Leben seit ein paar Tagen. Grob hatte ich diese Einstellung schon lange, dass das leben kostbar ist und man die Zeit nutzen soll mit Dingen die einem wichtig sind und einem etwas bedeuten. Doch jetzt ist es intensiver geworden weil ich gesehen habe, wie schnell man etwas verlieren kann, was einem sehr sehr viel bedeutet.

Meine Mutter ist 51 - kein Alter eigentlich in der heutigen Zeit. Sie macht den Haushalt, geht arbeiten, fährt jeden Tag mit dem Fahrrad einkaufen, macht den Garten, hütet meinen Vater und die Katze, kümmert sich um mich wenn ich zuhause bin, näht, strickt, sammelt Briefmarken und macht Ahnenforschung. Dinge, die mich irgendwie nicht großartig interessieren, aber ich bewundere trotzdem dafür.

Am Montag hab ich sie besucht, im Krankenhaus, auf Intensivstation, nach einem Herzinfarkt - mit 51 - kein Alter, eigentlich. Eine Arterie war verengt, sie haben zwei Stands gelegt, seit heute ist sie auf einer normalen Station.

Ich hab gedacht, ich würde sie verlieren. Binnen Sekunden waren Erinnerungen da, belangloses Zeug was auf einmal so wichtig für mich erschien - wie sie meine Hosen umnähte, ich kann das zum Beispiel nicht. Wie sie mir damals vorlas, mit dem selbstgemachten Handpuppenpumuckl mich immer ins Bett bringen musste, Fahrrad fahren, eine Runde um den Block laufen, alles Dinge die so belanglos sind und doch waren sie auf einmal so wichtig. Der Spruch Man erkennt immer erst dann wie wichtig einem etwas ist, wenn es nicht mehr da ist beruht auf reinen Tatsachen aber ich bin froh, dass sie noch da ist. Ich wüsste nicht, wie ich reagiert hätte, wenn sie nicht mehr da wäre.

Ich hab am Montag nicht realisiert wie ernst die Sache ist, ich verstand es aber ich konnte oder wollte es nicht realisieren. Tausende Gedanken waren in meinem kopf und doch war es so leer darin. Ich kam mir dumm, klein und unnütz vor. Ich konnte nichts tun, wusste nicht was ich sagen sollte, es tat so weh sie da liegen zu sehen und nicht zu wissen, was genau passieren wird - dabei will ich doch Krankenschwester werden, grade ich muss das doch wissen! Grade ich muss doch den nötigen Ernst und das Wissen zeigen, aber gezeigt habe ich gar nichts... ich war nervig und dumm und das tut mir leid, sehr leid sogar.

Ich bin froh, dass Michael mit mir nach hause gefahren ist, danke für alles! Das was du bisher für mich getan hast, werd ich nie wieder gut machen können aber ich werd mir die größte mühe geben, es wenigstens ansatzweise hin zu bekommen.

Ich liebe dich! 

4.10.06 01:36

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